Charrette Schorfheideviertel in Berlin
Eine Herde aus Garagen und Hirsche auf der Wiese

Charrette Schorfheideviertel in Berlin

Eine Herde aus Garagen und Hirsche auf der Wiese
In dem nach der brandenburgischen Schorfheide benannten Wohngebiet in Berlin-Marzahn wurden aufgrund hoher Leerstände Wohngebäude abgerissen. Diesen umstrittenen Eingriff in das Stadtgefüge sollte eine identitätsstiftende Gestaltung der frei werdenden Flächen abmildern. Die Einbindung der Bürger*innen war dabei besonders wichtig. So analysierten wir vor Ort mit allen Interessierten die Lage, entwickelten gemeinsam das Konzept und erstellten zusammen in einer Planungswerkstatt, der „Charrette“, den Entwurf.
Bei diesem mit dem Deutschen Landschaftsarchitektursonderpreis ausgezeichnete Experiment ist ein Wohnumfeld entstanden, das den landschaftlichen Charakter der Schorfheide mit den dort vorherrschenden Kiefern und niedrigen, grasbewachsenen Hügeln aufgreift und zugleich neue Möglichkeiten der Aneignung bietet.
Besonders wichtig war den Anwohnenden der Bau von Garagen: Wir fragten, was in diesen Garagen passieren soll, und es zeigte sich, dass die Nachbarschaft vor allem geschützte Orte suchte: für das Auto, aber auch zum Basteln, Feiern und Lagern. So platzierten wir die zu „Multifunktionsboxen“ weitergedachten Garagen – einer Schafherde ähnlich – auf der Wiese und gaben ihnen einen grünen Pelz aus Kletterpflanzen. Auch die Hirsch-Skulpturen inmitten der sanften Hügel wurden nach der Idee des Künstlers Jörg Schlinke von Anwohnenden gestaltet und gemeinsam aufgestellt. Dazu fuhren wir auf einen Hof in der Schorfheide und gossen die Betonskulpturen in brandenburgischer Erde.
Die intensive Interaktion hat sich gelohnt: Der Freiraum wird von den Menschen genutzt und geschätzt. Er gibt dem Schorfheideviertel eine neue Identität.


Berlin Marzahn

Größe: 1,2 ha

Bearbeitungszeitraum: 2007–2010

Auftraggeber: Bezirksamt Marzahn-Hellerdorf/degewo

Projektbeteiligte: Jörg Schlinke Künstler; Thies Schröder Planungskommunikation